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„Surrealismus“ Rekonstruktion der Einrichtung in Berlin 1998/99

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Über die Einrichtung

Während Rolf und Erika Hoffmann sich in den 1960er- und 1970er-Jahren vor allem für die abstrakten Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst interessierten, eröffnete ihnen die späte Begegnung mit Hans Bellmers 1970/71 entstandener Demi-Poupée einen neuen Zugang zum Surrealismus. In dieser rekonstruierten Installation werden mit Bellmer und Carroll Dunham zwei Künstlergenerationen in eine besondere dialogische Situation gebracht. Die ungewöhnliche Inszenierung mit Bett, Nachtschrank und himmelblauer Wandfarbe ist eine Setzung des Sammlerpaares. In den vermeintlich kindlichen Zeichnungen von Dunham entstehen aus scheinbar spontan aufs Papier gebrachten Linien organische und anthropomorphe Formen, die sich zu seltsamen Gebilden und surrealen Landschaften verbinden. Hier und da sind Körperteile und -öffnungen erkennbar, doch die Linie gleitet intuitiv zwischen Figuration und Abstraktion hin und her. In der Gegenüberstellung mit Bellmers Arbeit wird Dunhams Weiterentwicklung des surrealistischen Vokabulars besonders deutlich. Die Verfremdung von Körpern, die eine Auseinandersetzung mit der inneren Gedankenwelt in Zusammenhang mit Sexualität und Gewalt suggeriert, stehen im Zentrum von Bellmers künstlerischer Praxis. Durch die Gleichzeitigkeit von männlich und weiblich konnotierten Attributen, offensiver Nacktheit und kindlicher Bekleidung wird die Demi-Poupée zum Fetischobjekt. „Bellmers Halbpuppe hat mich sehr an Lolita erinnert, wobei ja das Besondere bei Bellmer ist, dass die Puppe sowohl männlich wie weiblich ist“, beschreibt Erika Hoffmann ihre Assoziationen. Bett und Wandfarbe greifen auf, was bei Bellmer bereits angelegt ist: eine Gegenwelt zwischen Traum und Wirklichkeit, erwachsenem Begehren und scheinbar unschuldiger Kindlichkeit, Fetisch und Tabu.